Warum ich blogge

"bloggito ergo sum"

Folgendes Interview habe ich einer deutschen Journalistin gegeben:


1. Wann ging Ihr Weinblog erstmals online? Was ist für Sie das Alleinstellungsmerkmal Ihres Blogs gegenüber anderen?

Meinen Weinblog gibt es seit knapp zwei Jahren. Die meisten Weinblogs werden von Winzern oder Weinhändlern geschrieben, die verfolgen dabei natürlich auch ökonomische Interessen. Ich habe beruflich nicht mit Wein zu tun und kann dadurch meinen sehr privaten Zugang zum Thema Wein einem interessierten Netzpublikum präsentieren.

2. Wie sind Sie auf die Idee zu einem Weinblog gekommen? Wie sind die Leute dafür zusammengekommen?

Wein ist für mich eines der faszinierendsten Genussmittel und ich beschäftige mich seit 20 Jahren damit. Freunde von mir haben mich öfter gefragt, ob ich ihnen nicht von meinem Weinreisen berichten oder ihnen Weinempfehlungen geben kann – so bin ich auf die Idee gekommen, mit meinem Weinblog eine Plattform zu schaffen, auf der ich mich mit meinen Freunden austauschen kann. Wenn noch viele andere Weinfreunde oder Weininteressierte meine Beiträge lesen und mir Kommentare posten, freut´s mich! Und die Statistik zeigt mir, dass ich immer mehr Leser bekomme. Die meistgelesenen Beiträge sind – wenig überraschend – jene, die ich mit anderen Web 2.0 – Plattformen wie z.B. facebook verlinke.

3. Welche Vorteile sehen Sie in einem Weinblog im Vergleich zu sonstigen Informationsmöglichkeiten über Weine?

Als privater Weinfreund liegen für mich die Vorteile eines Weinblogs ganz klar in den geringen Produktionskosten und der theoretisch unbegrenzten Reichweite. Mein Weinblog ist aber auch mein persönliches Archiv, auf das ich schnell und unkompliziert zugreifen und mich daran erinnern kann, welche Weinbaugebiete ich besucht und welche Weine mir dort besonders geschmeckt haben. Ich stelle neben detaillierten Verkostungsnotizen auch Fotos in meinen Blog, dadurch „menschelt“ er sehr und ist nicht so textlastig. Ich will ja nichts verkaufen, sondern der Welt zeigen: „Seht her, wir Weinfreunde sind Genussmenschen, wir wissen Gutes zu schätzen und haben eine lebensbejahende Einstellung!“

4. Wie viel Arbeit investieren Sie ungefähr pro Woche in Ihr Blog? Sie können das gern aufteilen nach „technischer“ Arbeit, Weingenuss und Weinbeschaffung.

Ich schreibe nicht täglich, sondern nur dann, wenn mir etwas berichtenswert erscheint. Dafür wende ich ca. 1 Stunde pro Woche auf. Meist habe ich schon vorher ein Thema im Kopf und feile gedanklich an den Formulierungen, denn ich habe einen stilistischen Mindestanspruch an meine Texte. Inhaltlich kompetent und trotzdem leicht lesbar und launig. Sie sollen Lust auf mehr machen – vor allem Lust darauf, selbst mal im Freundeskreis eine Verkostung zu einem bestimmten Thema zu organisieren oder eine Weinreise zu unternehmen. Wer seine Sensorik für´s Weinverkosten trainiert, wird auch mit „offener Nase“ durch die Welt gehen und seinen olfaktorischen Horizont erweitern. Dann nimmt man plötzlich seinen Partner, seine Partnerin intensiver wahr und das kann auch dem Sexleben einen neuen Kick geben.

5. Wie bekommen Sie ihre Weine? Wie viel Geld investieren Sie da pro Woche oder Monat? Bekommen Sie mittlerweile auch Weine zum Probieren und Vorstellen zugeschickt?

Ich kaufe fast alle meine Weine direkt beim Winzer. So lerne ich das Gesicht hinter dem Wein kennen und zahle den günstigeren Ab-Hof-Preis. Nur wenn ich z.B. für eine Verkostung Weine brauche, die ich nicht im Keller habe, kaufe ich im Fachhandel ein. Wenn ich tolle Weine eines noch nicht so bekannten Winzers entdecke, freut mich das mehr als wenn ich von einem Starwinzer einen Karton eines besonders begehrten und nachgefragten Weines ergattere. Mehr als 50-70 Euro pro Monat gäbe ich derzeit für meine Weineinkäufe nicht aus, denn ich habe mir in den letzten Jahren ein gut gefülltes Lager angelegt und trinke Wein nur, wenn ich Besuch habe oder eine Verkostung organisiere. In so eine Themenverkostung (Thema meiner letzten Verkostung waren Wiener Weine) bringe ich dann aber schon mal 7,8 Flaschen ein. Ein Kostenfaktor sind natürlich auch die Weinutensilien, ich lege z.B. großen Wert auf gute Gläser und die sind nicht billig.
Probeweine habe ich bisher leider noch nicht zugeschickt bekommen, ich würde sie natürlich bewerten und in meinem Blog beschreiben. Nur einmal hat mir ein Weinhändler eine Provision angeboten, wenn ich ihm Kunden vermittle. Dieses Angebot habe ich freundlich abgelehnt.


6. Blogs funktionieren ja als Zwei- oder Mehr-Wege-Kommunikation. Welche Rolle spielen Ihre Leser bei Ihrer Arbeit am Blog? Kritisches Publikum? Tippgeber?

Für wen machen wir unsere Blogs, wenn nicht für unsere Leser? Nur für mich alleine könnte ich auch ein elektronisches Tagebuch führen. Nein, natürlich wollen wir Blogger auch gelesen werden, so viel Eitelkeit muss erlaubt sein. Ich sehe meine Leser nicht nur als Kritiker und Tippgeber, ein Beitrag ist für mich dann „erfolgreich“, wenn ich es schaffe, eine Diskussion zu entfachen, an der sich möglichst viele Leser beteiligen. Insofern war mein bisher „erfolgreichster“ Artikel der über Schraubverschlüsse als Alternative zum Kork. Hier habe ich parteiisch für den Schraubverschluss plädiert und damit einen lebhaften Disput zwischen männlichen und weiblichen Lesern entfacht, die darüber sinniert haben, welche Verschlussform den höheren Sexy-Faktor hat.
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