Deutschland

Von Nacktärschen und Sonnenuhren - eine weinreise an die saar und mosel

meine zweite deutschland-weinreise führte mich von 12. bis 16. mai 2011 ins saartal und an die mosel. nachdem ich beim ersten mal das sächsische elbtal und franken besuchte, folgte ich (auch diesmal in begleitung meiner weinfreunde susi & leo) den spuren des rieslings nach rheinland-pfalz.

besonders beindruckend sind in diesem gebiet die steillagen, das steirische hügelland ist im vergleich dazu brettleben. die steilste unter den steillagen ist europas steilste steillage, der bremmer calmont, der nur angeseilt oder mit hilfe eines "monoracks", einer speziellen weinbergbahn bewirtschaftet werden kann.

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schwindelfreiheit vorausgesetzt: weingartenbewirtschaftung mit der "monorack-bahn" im bremmer calmont, der steilsten lage europas

fast alle weinberge tragen ein gut sichtbares "namensschild", ähnlich dem "hollywood"-schriftzug:

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berauschend: der "saarburger rausch" in der gleichnamigen stadt

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zieren seit jahrzehnten die etiketten: weine der lage "kröver nacktarsch"

doch nun zu den gewächsen! in der saarburger vinothek "bonsai & wein" konnten wir uns einen guten ersten eindruck und überblick über die saarweine verschaffen. hier susi`s kostnotizen:

Weissburgunder „RK“ 2010, trocken
Reichgraf von Kesselstatt, Schlossgut Marienlay, Morscheid
jung, gute Säure, angenehm herbe Note, passt gut zu grünem Spargel

Pinot Blanc 2009, trocken
Schloss Saarstein, Serrig
dezent-fruchtig, Würze, zart cremig

Rheinriesling „RK“ 2009, trocken
Reichgraf von Kesselstatt, Schlossgut Marienlay, Morscheid
reife Marillen, zart mineralisch

Rheinriesling Schodener Saarfeilser Marienberg 2009, Spätlese, trocken
Weingut St. Urbans-Hof, Ökonomierat Nic. Weis, Leiwen
fruchtig (in Richtung Pfirsich), cremig

Rheinriesling Max 2009
Weingut von Othegraven (Günther Jauch), Konz
an der Obergrenze zum Trockenen, spürbarer Restzucker, spontan vergoren; mineralisch, erster Eindruck am Gaumen etwas lasch, öffnet sich mit der Zeit

Rheinriesling Oberemmler Hütte 2007, Spätlese, lieblich
Weingut Von Hövel, Konz
7,5% alc., ätherisch, etwas Zwetschke, eher leicht

Rheinriesling Ockfener Bockstein2009, lieblich
Weingut St. Urbans-Hof, Ökonomierat Nic. Weis, Leiwen
8% alc.

Rheinriesling Rotschiefer 2009, feinherb
Van Volxem, Wiltingen
dichte, mineralische Struktur, schönes Süße-Säurespiel
passt gut zu asiatischem Essen


Rheinriesling 2007, lieblich
Reichgraf von Kesselstatt, Schlossgut Marienlay, Morscheid
Spätlese mit Botrytiseinschlag, würde zur Gänseleber passen

von unseren gastfreundlichen quartiergebern in saarbrücken bekamen wir den tipp, peter lauer in ayl aufzusuchen. der junge winzer konzentriert sich ausschließlich auf riesling (was im saartal ja fast logisch erscheint), davon hat er aber sehr viele im sortiment (der einfachheit halber benennt er sie nach der nummer der fässer, also "fass 1" bis "fass 23"), wir durften zwar alle vorhandenen 2010er fassproben kosten, zu kaufen gab´s aber leider nur das bereits abgefüllte "fass 16", einen frischen tischwein für den täglichen genuss (ein schönes beispiel für das understatement des winzers). die 2009er und alle älteren jahrgänge waren leider nicht mehr im verkauf.

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das weingut peter lauer in ayl an der saar

weiter gings zu einem zwischenstopp nach bernkastel-kues an der mosel. die fachwerkhäuser dieses weinortes sind geradezu pittoresk kitschig, entsprechend viele touristen tummeln sich in den schmalen gassen.

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400 jahre auf dem buckel - die fachwerkhäuser in bernkastel-kues

wir fanden trotzdem eine ruhige "straußwirtschaft" (so heißen die buschenschänken bei unseren deutschen nachbarn), wo ich einen riesling von der berühmten lage "wehlener sonnenuhr" verkostete (wehlen ist ein vorort von bernkastel-kues). der war mit seinen 63,8 g restzucker allerdings doch etwas gewöhnungsbedürftig. es gibt aber auch trockene vertreter dieser lage.

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"straußwirtschaft" in bernkastel-kues

weiter nördlich, in pünderich an der moselschleife bezogen wir im weingut paulushof quartier. die weinliste bekamen wir schon vorab zugeschickt und waren daher gut vorinformiert und neugierig auf das umfangreiche sortiment. auch hier dominiert der riesling. ergänzt wird er durch weiß- u. grauburgunder sowie einige rote (rotling, dornfelder, früh- u. spätburgunder). angesichts der aufwendigen bewirtschaftung in den steillagen hätte ich mit höheren preisen gerechnet, doch die paulushofweine überraschen mit einem sehr guten preis/leistungsverhältnis (von € 4,50,- bis € 11,-). Alle Weine sind spontanvergoren (1)

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auch im weingut paulushof wird der steillagenriesling in die auslage gestellt

unser interesse und die leidenschaft an der materie wein blieb den winzersleuten offensichtlich nicht verborgen und das war vermutlich auch der grund, warum wir über das standardprogramm (2 burgunder, 6 rieslinge und ein "blanc de noir") hinaus auch die spezialitäten probieren konnten. darunter eine premiere für uns drei: ein riesling barrique 2007 in der 0,5l flasche, 18 monate im kleinen eichenholzfass gereift. dann zum drüberstreuen noch ein 2001er riesling barrique mit aromen überreifer bananen und mit 14% für diese gegend eine echte granate! den 2007er gabs sogar noch zu kaufen und einige flaschen fuhren dann auch mit zurück in die heimat - nebst zwei 6er-kartons mit rieslingen und weißburgundern ;-)

wer mehr wissen will: http://www.paulushof.de

(1) spontangärung: Durch Naturhefen verursachte, spontan einsetzende Gärung (ohne Einfluss des Winzers).
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